
Mit „Keine Angst“ liefert Danger Dan den Soundtrack gegen den Rechtsruck. Ausgerechnet der Streit um einen abgesagten Auftritt in der ZDF-Satiresendung Die Anstalt dürfte dem Titeltrack seines neuen Albums jetzt noch mehr Aufmerksamkeit verschaffen.
Es hätte der große Moment werden sollen. Danger Dan hat heute mit „Keine Angst“ den Titeltrack seines kommenden Albums veröffentlicht. Eigentlich wollte er den über sieben Minuten langen Song gemeinsam mit Igor Levit in der Jubiläumsausgabe der ZDF-Satiresendung Die Anstalt präsentieren. Doch nur kurz vor der Aufzeichnung zog die ZDF-Geschäftsleitung den Stecker. Aus einem geplanten TV-Auftritt wurde ein handfester Kulturstreit.
Danger Dan und Igor Levit kritisierten die Entscheidung öffentlich und sprechen von einem Eingriff in die Kunstfreiheit. Das ZDF begründete die kurzfristige Absage damit, einzelne Passagen des Liedes könnten als Aufruf zu Gewalt verstanden werden und stünden damit im Widerspruch zu den Programmrichtlinien des Senders. Bemerkenswert: Selbst das Team von Die Anstalt stellte sich hinter die beiden Künstler und protestierte gegen die Entscheidung.
Der eigentliche Verlierer dieser Kontroverse könnte allerdings das ZDF selbst sein. Denn der Streit sorgt dafür, dass „Keine Angst“ heute deutlich mehr Aufmerksamkeit erhält, als es ein einzelner Fernsehauftritt vermutlich je geschafft hätte.
Und der Song? Er ist ein eindringliches, klug geschriebenes und emotionales Statement gegen den Faschismus, für Solidarität und demokratischen Widerstand. Musikalisch bewegt sich Danger Dan erneut zwischen Chanson, Klavierballade und politischem Lied – mit jener sprachlichen Präzision, die ihn schon bei „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ ausgezeichnet hat.
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung könnte kaum brisanter sein. Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen und den anhaltenden Höhenflug der AfD in den Umfragen wirkt „Keine Angst“ wie ein bewusst gesetztes Zeichen gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck. Der Song ruft nicht zu Gleichgültigkeit auf, sondern dazu, Haltung zu zeigen und demokratische Werte entschlossen zu verteidigen.
Gerade deshalb wirkt der Streit um den abgesagten ZDF-Auftritt so paradox. Kunst darf provozieren, zuspitzen und Debatten auslösen – gerade wenn sie sich mit den großen gesellschaftlichen Konflikten ihrer Zeit auseinandersetzt. Ob man jede Zeile des Songs gleich interpretiert oder nicht: Dass ausgerechnet ein antifaschistisches Lied einen solchen Streit auslöst, dürfte seiner Wirkung eher nutzen als schaden.
Vielleicht ist genau das die Ironie dieser Geschichte: Ausgerechnet der Versuch, „Keine Angst“ von der großen TV-Bühne fernzuhalten, sorgt nun dafür, dass heute umso mehr Menschen den Song hören. Und genau das dürfte ganz im Sinne von Danger Dan sein.