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Album der Woche: Melvins – A Walk With Love And Death (Kritik)

Als ich kürzlich mal wieder auf dem Maifeld Derby zugegen war begab es sich, dass Thurston Moore seinen Auftritt am letzten Nachmittag des Wochenendes nutzte um uns Jüngern zu präsentieren, was er derzeit eigentlich so unter Rockmusik versteht. Dabei kam man trotz aller kontemplativer Qualitäten seiner aktuellen Songs nicht umhin sich einzugestehen, dass die Musik trotz all der Experimente und Nebenprojekte, die Moore ja zweifelsohne in radikale Richtungen lenkten, vor allem routiniert wirkte – also am Ende doch ganz so, wie man sich das von einer alternden Gitarrenvirtuose erhoffen darf.

Als Zwischenstand konnte ich also verbuchen, dass es den Indie-Rock-Ikonen aus den 80ern am Ende auch nicht anders erging als ihren Vorgängern aus vorherigen Dekaden: Irgenwann holt sie die Zeit ein und es soll nur noch möglichst solide gerockt werden. Doch wie das nun so ist mit vorläufigen Ergebnissen platzten just die Melvins mit einer Art Doppelalbum in meine Überlegungen hinein, das diese nur halb stützen kann, nämlich mit jener Hälfte, die zu großen Teilen aus fusseligem Pseudo-Jam-Rock und trockenem Proto-Sludge besteht. Dass ausgerechnet diese Seite den Namen „Death“ trägt, könnte man als Tribut an die behauptete Tödlichkeit von Großvater Hardrock verstehen, doch da hätte man eben kaum verstanden, was diese neun Songs eigentlich liefern: Fan-Service nämlich.

Sowas machen die Melvins bisweilenja gerne mal auf Albumlänge, nicht immer zu ihrem eigenen Vorteil, hier ist das Material jedoch durchweg hochwertig. „What’s Wrong With You“ schiebt sich grandios mit der Kraft des angetäuschten Psychedelic Rock an Grunge vorbei, während Stücke wie „Edgar The Elephant“ oder „Sober-delic (acid only)“ ihren Reiz aus der gnadenlosen Langsamkeit ziehen, mit der die Band sie entpackt und an den Hörer heranträgt. Das erfreut in seinem erwartbaren Bruch mit Konventionen, und beinahe stempelte man „A Walk With Love And Death“ als Wohlfühlplatte ab, gäbe es da nicht noch diese zweite Seite, die angeblich den Soundtrack zu einem irgendwann erscheinenden Kurzfilm darstellt, bereits jetzt jedoch von den Melvins sicherheitshalber schon mal publiziert wird.

Dort kollabiert kurzerhand alles, was zuvor irgendeine Form von Sicherheit bot. Es gibt Feedbackschleifen, undefinierbare Geräusche, Field Recordings, Synthesizer, die Melodien andeuten, aber stets in Leere zu laufen scheinen. Keiner dieser Songs wirkt rund, und gerade da greift „Love“ auf, was „Death“ versäumt: Zwischen all den schlüssigen Zusammenhängen auch ein paar Widersprüche einzubauen, auf Reibungspunkte zu setzen und ganz einfach den Ablauf zu stören. Auf der Gegenseite herrscht das andere Extrem: Hier liegen einzelne Elemente herum, unverkabelt, bar jeder nachvollziehbaren Struktur, von einer Klimax ganz zu schweigen.

Was „Love“ aber eben nicht ist, ist beliebiger Lärm. Tatsächlich handelt es sich um einen vielfältigen Alptraum, der rein klanglich das Konzept Rockband nicht kategorisch ausschließt. Am nächsten kommt der Sache wohl „Give It To Me“, ein psychotischer Trip, der stark nach Live-Aufnahme klingt, statt Gesang aber eben nur Geächze und Gestammel zu bieten hat. Stimmen kommen generell nur im Hintergrund vor, „Queen Powder Party“ arbeitet mit einer Spielplatz-Atmosphäre, und wenn es doch mal Menschen in den Vordergrund schaffen, dann so diffus wie im pseudo-nostalgischen „Scooba“. Was genau in einem dieser Songs passiert – keine Ahnung. Aber es passieren ohne Zweifel Dinge, und zwar überall auf diesem Album.

Und so kann man die Betitelung eben auch verstehen: „Death“ ist zwar sehr gelungen, aber eben auch die Sorte von Rockmusik, die ihren eigenen Tod bereits vorausahnt, die im Grunde schon ausgestellt im Museum liegt, während es in „Love“ nur so pulsiert und das Euphorielevel konstant hoch ist. Ob es nun wirklich beide Seiten in der jeweiligen Länge gebraucht hätte, darüber lässt sich streiten; dass die provozierten Kontraste aber genau das sind, was die Melvins auch in ihrer vierten Dekade fit hält, ist die wichtige Erkenntnis dieses spannenden, bisweilen enervierenden, aber immer lohnenswerten Albums.

„A Walk With Love And Death“ erscheint am 07.07. via [PIAS] auf Vinyl, CD und digital.

Sebastian
Sebastian stammt aus Saarbrücken, lebt und studiert gerade aber in Münster. Konzerte besucht und Musik hört er dort ebenfalls, wovon gelegentlich hier zu lesen ist: http://mordopolus.tumblr.com/

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