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Album der Woche: Mastodon – Emperor Of Sand (Kritik)

Im Nachhinein kann man Mastodon zur Wahl von „Show Yourself“ als zweiter, durch das mitgelieferte Video zusätzlich hervorgehobener Single eigentlich nur beglückwünschen: Natürlich weil der Dreiminüter das latente Pop-Appeal der Band so treffen auf den Punkt bringt wie kaum einer seiner Vorgänger, vor allem aber, weil eben diese Melodieseligkeit bei etlichen Fans für voreilige Schnappatmung sorgte. Hat sich das Quartett aus Atlanta nun endgültig verkauft, dem alten Geier Kommerz an den Hals geworfen und dabei alles verraten, wofür sie einst standen?

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Nein, haben sie natürlich nicht, um diese Frage vorweg zu beantworten, aber man kann die elendigen Realkeeper mit derlei Neckereien ja eigentlich nicht genug ärgern; gerade, weil Mastodon sich ja nie für einen Hakenschlag zu schade waren und auf dem Weg von der crustigen Sludge-Hoffnung über die besten Prog-Metal-Musiker der Welt bis hin zur vollkommen entfesselten Alternative-Band etliche Hörer auf der Strecke gelassen haben. Tatsächlich ist „Emperor Of Sand“ jedoch nur eine vorgetäuschte Kehrtwende geworden, viel eher finden sich hier die losen Fäden der beiden Vorgänger zu einem Konzeptalbum zusammen, dass auch die Brücke zurück zu Alben wie „Crack The Skye“ schlägt.

Trotz der erneuten Verpflichtung des versierten Brendan O’Brien, der sich auch für die Produktion eben jenes Albums verantwortlich zeichnet, dominiert auf Mastodons siebtem Album keine simple Rückbesinnung. Viel eher finden hier die Stärken unterschiedlicher Schaffensphasen zusammen, ohne dabei einer entschieden den Vorzug zu geben. Von den letzten Experimenten ist vor allem eine gewisse Leichtigkeit geblieben, die sich hier jedoch nicht nur in starken, aber recht unterschiedlichen Einzelsongs niederschlägt, sondern wieder ein gemeinsames Narrativ ergibt.

Dabei ist es sekundär, dass „Emperor Of Sand“ auch textlich eine Geschichte erzählen möchte; viel wichtiger ist, dass die Stücke wieder eine einheitliche Stimmung durchzieht. Mastodon wagen wieder Momente von epischen Ausmaßen, am deutlichsten natürlich im monumentalen, vielschichtigen Closer „Jaguar God“, aber auch dazwischen, im brutalen „Andromeda“ wie im zwischen Prog, Pop und Härte changierenden „Roots Remain“. Die Erinnerungen an Sludge (Scott Kelly hat sogar einen erneuten Gastauftritt) und andere Schaffensphasen bleiben aber immer nur Zitat, das glücklicherweise selten so deutlich an die Vergangenheit der Band erinnert wie im Opener „Sultan’s Curse“.

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In eben jenem Song fehlt zudem die größte Neuerung des Albums: Selten setzten Mastodon ihre drei Sänger so gekonnt ein, was vor allem Brann Dailor zu Gute kommt. Spielte der Drummer bisher meist nur eine Nebenrolle, übernimmt er hier oft sogar die Führung und bereichert Hinds und Sanders Stimmen um eine weitere Note, die für etliche herausragende Momente sorgt und „Emperor Of Sand“ bei allem Wühlen in der Vergangenheit eine eigene Note verleiht. Ohne ihn wäre der elegische Refrain des wuchtigen „Steambreather“ ebenso wenig denkbar wie – genau – das poppige „Show Yourself“.

Und am Ende ist es gerade diese Virtuosität, mit der sie hier nicht zwingend die Höhen des unerreichbaren „Crack The Skye“ erklimmen, sondern dem nerdigen Prog-Synth-Spektakel „Clandestiny“ ebenso gerecht werden wie der erhabenen Melodieseligkeit von „Word To The Wise“ und den allgegenwärtigen Metal-Gitarren.

„Emperor Of Sand“ erscheint am 31.03. via Reprise auf Platte, CD und digital.

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Sebastian
Aus Saarbrücken, in Münster, immer auf Testspiel, manchmal auch hier: http://mordopolus.tumblr.com/

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