Hier kommen unsere Kurzreviews zu den aktuellen Neuveröffentlichungen der Woche.

Dave Hause – Bury Me In Philly

Die Springsteenisierung, die Teile der Punkszene in den letzten zehn Jahren ergriff, führte nicht jeden so weit von seinem ursprünglichen Sound hinfort wie Dave Hause, der schon längst kein Pathos und keine nach wirklich weit hochgekrempelten Hemdsärmeln klingenden Songs mehr scheut. Auch „Bury Me In Philly“, das als Hommage an seine Heimat funktioniert, macht da keine Ausnahme, spitzt den Sachverhalt eher noch zu. Die Songs sind gradlinig, liebäugeln mal mit Country und zeigen Punk-Kante, bleiben aber letzten Endes immer blauäugig dem Heartland verpflichtet. (Sebastian)

The Menzingers – After The Party

Für eine Punkband, deren Mitglieder mittlerweile über 30 sind, war’s das dann wohl. Zum Glück nicht, denn der Albumtitel “After The Party” ist vollkommen ironisch gemeint und die US-Band The Menzingers setzt sich mit dem Eintritt ins neue Lebensjahrzehnt einfach nur humorvoll auseinanander. Da macht es auch nichts, wenn sie im Vergleich zum Vorgänger “Rented World” auf ihrem fünften Album etwas weniger rau klingt. (Malte)

Sampha – Process

Sampha hat wohl eine der gefragtesten Stimmen der letzten Jahre. Erste Bekanntheit erlangte er durch die Zusammenarbeit mit dem britischen Producer SBTRKT, an dessen beiden Alben er als Sänger mitgearbeitet und den er regelmäßig am Keyboard bei seinen Live-Shows begleitet. Es folgten Gastauftritte bei Frank Ocean, Beyoncé, Kanye West und Drake. Mit der Veröffentlichung seines Debütalbums hat sich Sampha viel Zeit gelassen. “Process” ist seine Interpretation von modernem Soul, geprägt durch gefühlvolle Beats und eben dieser markanten Stimme, die fast so klingt als wäre sie wie ein Instrument arrangiert.
Das Album gibt zuletzt einen sehr privaten Einblick und ist durchzogenen von einer sanften Traurigkeit in der Sampha den Tod seiner Mutter, die letztes Jahr an Krebs verstorben ist, verabreitet. (Malte)

Smile And Burn – Get Better Get Worse

Pop-Punk mit Hang zur Hymne zu schreiben ist keine allzu große Kunst, wie unzählige Bands in den 90ern bewiesen haben. Wie schwierig es hingegen ist, das Rezept über die Jahre hinweg mit neuen Zutaten anzureichern, das beantworteten etliche Vertreter in der folgenden Dekade auf unterschiedliche Weise. Mittlerweile muss sich eine weitere Generation mit diesem Problem auseinandersetzen, so auch Smile and Burn mit ihrem vierten Album. Die Berliner zeigen auf „Get Better Get Worse“ eine neue Offenheit, die für das Kumpelig-Simple zwar immer noch Platz hat, dabei jedoch keine Scheu vor Melancholie oder ruhigeren Momenten zeigt. Gerade in der ersten Hälfte führt das zu etlichen Hits wie „Bye Bye Perfect“, die sowohl auf der nächsten Juz-Party als auch beim folgenden Kater funktionieren werden. (Sebastian)

Surfer Blood – Snowdonia

Die Zeit nach ihrem letzten, 2015 veröffentlichten Album “1000 Palms” war für Surfer Blood geprägt durch heftige Schicksalschläge. Gitarrist Thomas Fekete starb 2016 an einem selten Krebsform. Zuvor verließ bereits Bassist Kevin Williams die Band und zog von Florida nach Austin. Mittlerweile haben sich Surfer Blood personell verstärkt, um eine neue Platte aufzunehmen. Die Vermutung liegt nah, jedoch ist “Snowdonia” kein melancholisches Album, wie direkt der Upbeat-Opener “Matter of Time” zeigt. Mit den beiden neuen Bandmitgliedern hat sich der Sound von Surfer Blood spürbar verändert. Zum Surf-/Garage-Rock aus den Anfangstagen addieren sie Harmonien und werden im Refrain ab und an mehrstimmig im Gesang, was “Snowdonia” zu einem vielfältigen,interessanten Album macht. (Malte)