Wahnsinn wie viele gute Platten momentan veröffentlicht werden. Schwierig das alles zeitnah zuhören. Deswegen haben es die neuen Alben von Mogwai, Bicep, RIN und den Beatsteaks leider nicht in unsere wöchentlichen Kurzreviews geschafft. Welche Neuveröffentlichungen ihren Weg in unsere Gehörgänge geschafft haben, lest ihr hier.

LCD Soundsystem – American Dream

Da ist es nun also – das Comeback-Album von LCD Soundsystem – sieben Jahre nach ihrem letzten Studioalbum. Allzu lange hat es James Murphy also im Ruhestand nicht ausgehalten. Jedoch hat die Zeit gereicht, um die musikalische Ausrichtung von LCD Soundsystem neu zu definieren, die wir nun auf “American Dream” zu hören bekommen. Ich mache es kurz: “American Dream” ist super geworden. Vom Dance-Punk/Electroclash der Anfangszeit ist wenig geblieben und ebenso finden sich keinerlei der typischen Hits auf der Platte, mit denen LCD Soundsystem in den 2000ern die Indie-Disco dieser Welt beglückt haben. Stärker als früher wird der durch Synthesizer dominierte Sound durch Gitarren ergänzt, weshalb man “American Dream” wohl am ehesten in die No-Wave-/Post-Punk-Schublade stecken möchte, falls das bei einer Band wie LCD Soundsystem überhaupt Sinn ergibt.

Hercules & Love Affair – Omnion

Mit seinem Projekt Hercules & Love Affair hat Andy Butler gemeinsam mit wechselnden Gastsängern auch immer schon ernsthafte Themen mit tanzbaren Beats zwischen House und Disco kombiniert. Auf dem vierten Album “Omnion” wendet Butler seinen Blick zeitweilig vom Dancefloor ab. Neben klassischen 4-to-the-floor-Beats finden sich auf “Omnion” auch melancholische Dance- und Electro-Pop Nummern in denen Hercules & Love Affair die unschönen Seiten des Feierlebens, wie die Drogensucht ihres Masterminds, besingen. Diese neue Spektrum ergänzt die Musik von Hercules & Love Affair sehr gut, die Stärke von Butler und Co. liegt jedoch weiterhin in eklektischen Dance-Songs, die ihr Wurzeln im New York Disco Sound haben. Davon hätte es auf “Omnion” gerne mehr geben dürfen.

Chuckamuck – Chuckamuck

Auf ihrem dritten, selbstbetitelten Album haben Chuckamuck ihren schrammeligen Garage-Punk zwar nicht an den Nagel gehängt, ihren Sound jedoch in deutlich ruhigere Gefilde gelenkt. Ergänzend setzen die Berliner zunehmend auf Elemente aus Country und Americana, die sich wunderbar in den bewusst roh gehaltenen Sound einfügen. Den Rest besorgen die schelmischen Texte samt Lines wie „Guten Morgen, mein Freund, mein Joint.“ und Lästereien über Pseudo-Hippies am Strand von Koh Phangan.

Belgrad – Belgrad

Hendrik Rosenkranz, Leo Leopoldowitsch, Ron Henseler und Stephan Mahler sind Belgrad und haben bei Zeitstrafe ihr gleichnamiges Debütalbum veröffentlicht. Dabei handelt es sich bei den Bandmitgliedern keinesfalls um wilde Jungespunde, sondern um altgediente Punkveteranen, die in Bands wie Slime, Stalin vs. Band, Dikloud, Torpedo Moskau und Kommando Sonne-Nmilch gespielt haben. Im Rahmen einer Osteuropa wuchs die Idee eine gemeinsame Platte aufzunehmen, die angenehm minimalistisch ist und sich musikalisch zwischen Post-Punk, Hamburger Schule und New Wave verorten lässt. Schöne Melancholie!