Start Musik ASIWYFA live in Belfast: Eine Band, drei Konzerte, zehn Jahre Geburtstag

ASIWYFA live in Belfast: Eine Band, drei Konzerte, zehn Jahre Geburtstag

Sprachlos! Genau wie ihre Musik ließen die vier irischen Progressive-Instrumentalisten von And So I Watch You From Afar das Publikum nach ihren Jubiläums-Konzerten in Belfast zurück.

Zehn Jahre ist es mittlerweile her seit ASIWYFA ihr selbstbetiteltes Album veröffentlicht haben. Ein brachiales Erstlingswerk, das vor Energie aus allen Nähten platzt und quasi nach einer würdigen Live-Performance schreit. Es liegt also nichts näher, als dieses Jubiläum in Form von Konzerten in ihrer Heimatstadt Belfast gebührend zu feiern.

ASIWYFA live im Voodoo, Belfast (alle Fotos: Stefan Franke/Instagram: @tidephoto_concerts)

Konzerte, Mehrzahl? Genau! Die Band ließ es sich nicht nehmen direkt an drei Abenden hintereinander auf der Bühne zu stehen. Der ausverkaufte Voodoo Club im Herzen der Stadt sollte dafür als Stätte herhalten. Das Besondere dabei: Das Album wurde in voller länger gespielt. Wen wundert es da, dass es nur einige Minuten brauchte bis die Karten für die Main-Show am Samstag ausverkauft waren? Der initialen Ankündigung folgten direkt zwei weitere mit demselben Ergebnis. Drei absolut unvergessliche Auftritte und ich durfte für Testspiel dabei sein!

Es folgt ein Bericht zum Konzert am Freitag, 21.06.2019:
Nach den zwei Support-Acts (die Shoegazer Just Mustard und die Jazz-Progressive-Rocker Robocobra Quartet,), wird der Club zunehmend voller und der Platz vor der Bühne kleiner. Die Hitze, die Erwartungen und die Ungeduld steigen ins Unermessliche. Die Luft ist elektrisiert, bis es um 22:30 Uhr endlich soweit ist: Das Licht geht unangekündigt aus und in der Dunkelheit erklingen die ersten Töne von “Set Guitars To Kill”. Verzerrte Gitarren und lautes Stampfen. Die Menge trampelt direkt mit und in der Zwischenzeit hat sich die Band nahezu unbemerkt auf die Bühne geschlichen. Nur ihre Silhouetten sind erkennbar. Mit Einsetzen des ersten Gitarrenriffs wird der Club von den Scheinwerfern hell erleuchtet. Der Raum ist berstend voll. Die Menge rastet aus und Applaus, Jubel-Schreie, sowie lautes Gröhlen heißen die Lokal-Helden willkommen.

ASIWYFA sprühen vor Energie und die grandiose Lichtshow auf der Bühne unterstreicht jeden Song mit immer neuen Farbspielen. Rory Friers und Niall Kennedy hauen sich die Riffs und Gitarren-Soli nur so um die Ohren und Jonathan Adger, der Bassist der Band, unterstreicht die Gitarren mit seinem rhythmischen und ausgelassenen Spiel. Nicht zu vergessen: Chris Wee, der am Schlagzeug sitzt und ununterbrochen aus allen Rohren feuert. Friers stellt sich immer wieder auf die Monitore und macht klar: Der Abend gehört den Fans! Ohne Distanz zur Bühne stacheln Publikum und Band sich immer weiter an.

Bekanntermaßen sind ASIWYFA eine Instrumentalband. Texte zum mitsingen sind also Mangelware. Egal! Stattdessen werden einfach die Melodien mitgegrölt. Jedes Lied kommt einer Hymne gleich und wird mit ausgiebigen Mosh- und Circle-Pits gefeiert. Nach nur wenigen Songs beginnen die ersten Fans mit Crowdsurfing. Verlorene Schuhe und Shirts werden in die Luft gehalten und die ekstatische Menge grinst, lacht und feiert in absolutem Einklang. “Celebrating this 10 year anniversary here in Belfast means the world to us”, ertönt es aus den Lautsprechern als sich Friers in einem leisen Moment dem Publikum widmet.

Wie eingangs erwähnt spielt die Band ihr Erstlingswerk in voller Gänze. Kein Song wird ausgelassen und Titel wie “I Capture Castles” oder “Tip Of The Hat, Punch In The Face”, die ASIWYFA schon seit einer Ewigkeit nicht mehr live gespielt haben, werden von den Fans mit lauten Jubelschreien begleitet. Als der Chor aus “Stop Waste Time Doing Things You Hate” erklingt stimmen alle mit ein und die Band hält, zumindest für einen kurzen Moment, ehrfürchtig inne. Man merkt: Auch sie werden diesen Abend nicht so schnell wieder vergessen.

Seinen Abschluss findet das Album dann mit den letzten Riffs von “Eat The City, Eat It Hole”. ASIWYFA bedanken sich, applaudieren ihren Fans und verlassen die Bühne. Hätte der Abend hier geendet, wären wohl alle glücklich nach Hause gegangen. Es folgt aber natürlich eine ausgiebige Zugabe, die mit einem bunten Mix an Songs aus den anderen LPs der Band gefüllt ist. Sogar “S for Salamander”, eine B-Seite, wird gespielt. Als sei das nicht schon besonders genug: Plötzlich wird Karina Lawrence (Drummerin bei Bear Makes Ninja und Ultra90s) auf die Bühne gebeten und setzt sich ans Schlagzeug. Chris Wee hingegen gesellt sich in das schwitzende Moshpit vor der Bühne und feiert einfach mit!. Wie es der Zufall so will hat Karina an diesem Tag auch noch Geburtstag und so wird sie nach ihrer Performance mit einem kleinen Ständchen von der Bühne begleitet.

Den Schlusspunkt des Abends bildet “Big Things Do Remarkable”. Band und Publikum geben ein letztes Mal alles und ein unglaubliches Konzert findet sein Ende. Das war kein gewöhnliches Konzert, sondern etwas Einzigartigesein echtes Erlebnis, vollgepackt mit positiver Energie, Optimismus und Glückseligkeit. “Here’s to the next ten years!”, wie es Rory Friers während des Auftritts so schön sagte.