Start Interviews ASIWYFA im Exklusiv-Interview: 10 Jahre Jubiläum in Belfast, neue Releases und Tour-Ankündigung

ASIWYFA im Exklusiv-Interview: 10 Jahre Jubiläum in Belfast, neue Releases und Tour-Ankündigung

Während meines Aufenthalts in Belfast hatte ich nicht nur das Glück bei zwei von drei Jubiläumskonzerten der Band dabei zu sein (wir berichteten). Ich konnte auch ein ausgiebiges und exklusives Interview mit Rory Friers, Chris Wee und Niall Kennedy von And So I Watch You From Afar führen und die Band Backstage begleiten.

Kurz vor ihrer großen Main-Show am Samstag habe ich mich mit den Dreien zusammengesetzt und konnte ihnen einige Fragen stellen. Dabei hat die Band einige Infos und Anekdoten zu den Jubiläums-Konzerten in Belfast, zur Entstehung der ersten LP, sowie dem anstehenden Re-Release der Platte und auch zu einem neuen, bisher unangekündigten Remix-Album von „The Endless Shimmering“ preisgegeben. Über was ich noch so alles mit den sympathischen Iren geplaudert habe, erfahrt ihr im Interview:

And So I Watch You From Afar: (v.l.n.r.) Jonathan Adger, Rory Friers, Niall Kennedy, Chris Wee (alle Fotos: Stefan Franke/Instagram: @tidephoto_concerts)

Was bedeutet es für euch das zehnjährige Jubiläum der ersten ASIWYFA LP in eurer Heimatstadt Belfast zu feiern?

Rory: Also ganz pragmatisch gesehen bedeutet es wohl einfach, dass wir zehn Jahre älter sind (lacht). Ich habe noch gar nicht so wirklich verarbeiten können was mich das fühlen lässt. Es ist auf jeden Fall ein Moment, der uns sehr stolz sein lässt. Für gewöhnlich sind wir nicht besonders nostalgisch veranlagt und wir neigen auch nicht unbedingt dazu etwas zu feiern, das bereits hinter uns liegt. Eigentlich verwenden wir unsere Energie immer darauf etwas Neues zu machen. Es gab auch tatsächlich die Überlegung einfach gar nichts zum Zehnjährigen der ersten LP zu veranstalten. Je näher das Jubiläum rückte, desto mehr hatten wir aber das Bedürfnis das ganze als Geburtstagsparty zu sehen. Und damit sind wir im Nachhinein echt zufrieden. Es ist als würden wir unsere gegenseitige Liebe füreinander nochmal untermauern.

Niall: Gestern fand ich es beispielsweise interessant zu sehen, wie viele Hände hoch gingen, als wir die Menge fragten, wer bereits vor zehn Jahren zum Release der LP dabei war. Das waren gar nicht so viele. Im Publikum befanden sich stattdessen enorm viele jüngere Menschen, die uns offensichtlich noch nicht zehn Jahre hören. Das finde ich wirklich erstaunlich und genial!

Chris: Es fühlt sich einfach nicht so an, als würden wir “nur” dieses eine Album feiern, sondern die Band und ihre Musik als solches.

Rory: Eine Feier unseres Bestehens und unserer Geschichte, genau. Dieses initiale “wir feiern jetzt den zehnten Geburtstag dieser einen Platte” fühlt sich einfach zu sehr nach einem Rückblick in die Vergangenheit an. Die bisherigen Shows waren schon unglaublich. Ich meine, du warst gestern selbst dabei und konntest die Stimmung spüren.

Definitiv eines der krassesten Konzerte auf denen ich je war! Wisst ihr eigentlich noch was die Hauptintention und/oder das Konzept hinter der ersten LP gewesen ist?

Chris: Im Grunde genommen wollten wir alle unsere besten Songs, die wir bis dahin geschrieben hatten auf einer LP zusammenführen. Aber ich glaube, eine richtige Intention gab es gar nicht.

Rory: Wir wollten einfach ein Statement setzen. Wir haben den Sound und die Lautstärke unserer Instrumente bis auf die Spitze getrieben und wollten möglichst bedrohlich und verheißungsvoll klingen. Wir waren mit allen Instrumenten am absoluten Limit. Wenn man sich die Titel der Songs mal anschaut, merkt man auch schnell, dass wir auf Konfrontationskurs gehen wollten. Wir wollten, dass sich das Album größer die Summe seiner einzelnen Teile anfühlt. Ein richtiges Konzept hatten wir dabei aber nicht. Es sollte einfach episch klingen. Das hat sich auch bis zum Artwork gezogen, da dieses Seltsame und Jenseitige aufgreift.

Wie fühlt es sich für euch eigentlich an so viele ältere Songs zu spielen, die ihr eventuell länger nicht live performt habt? Musstet ihr viel proben?

Rory: Ja, wir mussten recht viel proben und brauchten einiges an Vorbereitungszeit. Es gibt so einige Songs, die wir seit Jahren nicht gespielt haben. Zum Glück hat sich aber schnell herausgestellt, dass die Lieder vom technischen Aspekt her etwas einfacher zu spielen sind als unsere neuen (lacht). Die älteren Sachen sind nicht ganz so nuanciert strukturiert und folgen einem recht einfachen Schema. Unsere aktuellen Outputs benötigen da schon etwas mehr Geschick. Es war also angenehm “einfach” wieder rein zu kommen, was schon eine kleine Erleichterung war. Ich habe das Proben echt genossen. Es hat mir in Erinnerung gerufen, wie sehr ich diese Songs liebe.
Es gab auch einige Stücke, die Niall noch niemals zuvor gespielt hatte (Anm. Niall Kennedy ist seit 2011 Teil der Band).

Niall: Es waren vier Songs, die ich bisher noch nicht live mit der Band gespielt hatte. Ich kannte sie schon von früheren Auftritten, als ich noch nicht Teil von ASIWYFA war und die Jungs ständig live gesehen habe. Die alten Lieder zu proben hat dann wirklich Spaß gemacht!

Könnt ihr mir evtl. mehr zum Re-Release der ersten LP erzählen? Was habt ihr für die Veröffentlichung geplant? Im Voodoo Club ist mir ein Zettel mit einer Ankündigung aufgefallen, auf dem erwähnt wird, dass ihr die Konzerte live aufnehmen wollt.

Rory: Auf jeden Fall werden wir die Vinyl-Variante gegen Ende des Jahres erneut veröffentlichen. Das ist etwas, wonach uns schon viele Fans gefragt haben. Der Grund warum es bisher nie eine neue Pressung gab ist recht einfach: Es ist scheiss teuer (lacht)! Und eigentlich veröffentlichen wir entsprechend auch immer nur die LPs auf Vinyl, die derzeit aktuell sind und promotet werden. Da das erste Album auch für uns etwas ganz besonderes ist und wir es nun nach zehn Jahren mit den Geburtstags-Konzerten feiern, wollten wir nicht einfach sagen: ”Hey, hier ist eine neue Pressung der alten Scheibe!” Wir wollten etwas mit Bedeutung machen und haben darüber nachgedacht, was wir stattdessen tun könnten.

Uns wurde recht schnell klar, dass wir die Konzerte live aufnehmen und mixen wollen. Die Idee dahinter ist also: Der Re-Release bietet etwas aus der Vergangenheit (die alte LP in einer Remastered Fassung) und etwas ganz Neues, in Form von Live-Aufnahmen und anderen kleineren Gimmicks, wie beispielsweise einige Konzepte des Cover Artworks und andere Dingen, die wir inkludieren werden. Es ist echt viel Arbeit, aber wir hoffen, dass wir den Re-Release noch dieses Jahr veröffentlichen können.

Ich habe es mir mal erlaubt, zwei eurer Instagram Posts “mitzubringen”, auf die ich während meiner Vorbereitung gestoßen bin und würde euch bitten, mir etwas mehr dazu erzählen.

Auf dem ersten Foto sieht man die “Models” des Covers eurer aktuellen LP “The Endless Shimmering”. Könnt ihr mir mehr zum Entstehungsprozess erzählen?

Niall: Ja, das sind die Tochter und der Hund eines guten Freundes von Chris’ Bruder. Er hat das Foto auf Instagram gepostet und Chris zeigte es uns. Wir sind direkt darauf angesprungen. Wir haben uns zu dieser Zeit Gedanken darüber gemacht, was wir als nächstes Cover verwenden könnten und das Foto kam immer wieder auf den Tisch und das ist es dann auch schlussendlich geworden. Ich bin generell nicht sehr abergläubisch, aber manchmal führt das eine schnell zum anderen und man fühlt sich zu gewissen Dingen einfach magisch hingezogen. Wir sind unserem Bauchgefühl gefolgt und es fühlte sich richtig an.

So funktioniert Kunst auch auf vielen anderen Ebene. Ich meine, es gibt genug Menschen, die Kunsthistorie und Kunst als solches studieren. Ich denke aber, dass jeder auf bestimmte Dinge anspringt, die direkt mit ihr/ihm auf einer Wellenlänge sind. Und das ist das schöne an Kunst. Auch wenn du es selbst noch nicht weißt, kann dir Kunst eine Menge über dich erzählen oder dich andere kraftvolle Dinge entdecken lassen. Genau so hat dann auch das Foto auf uns gewirkt: Es hat irgendwas in uns ausgelöst, von dem wir selbst nicht so genau wissen, was es ist.

Der Hund vom Foto weilt übrigens leider nicht mehr unter uns.

Rory: Auf dem instagram Foto sind die beiden (der Hund uns das Mädchen) auch schon etwas älter und da sieht der Hund auch schon etwas gebrechlicher aus.

Niall: Übrigens erscheint demnächst ein Remix-Album von “The Endless Shimmering”. Auf dem Cover dazu sieht man die beiden auch wieder.

(Rory zeigt mir ein Foto auf seinem Handy, das das Mädchen und den Hund sich gegenüber liegend zeigen)

Niall: Viele unserer Lieblings-Künstler und Freunde haben unsere Songs auf dem Remix Album neu interpretiert. Das wird echt super und wir sind sehr gespannt auf den Release!

Rory: Um nur mal ein paar Namen zu nennen, es wird Remixes von u.a. Light, Gallops, Three Trapped Tigers gaben. Aber auch etwas experimentelle Sachen werden dabei sein. Wie z.B. ein Remix von Merzbow, dem “Godfather of Noise” aus Japan. Außerdem werden einige irische Künstler und Produzenten, wie z.B. Phil Kieran, vertreten sein. Das Album soll dann im nächsten Jahr erscheinen.

Der nächste Post zeigt euch bei der Ausstellung von Rory’s Vater in Belfast. Könnt ihr mir mehr dazu erzählen?

Rory: Bei der Kollektion/Ausstellung handelt es sich hauptsächlich um Portraits von irischen Musikern und Menschen, wie z.B. Produzenten, Songwriter, etc., die bekannt in der irische Musikszene sind und einen entsprechenden Status haben. Eigentlich hat sich mein Vater über die Jahre eher auf die Tierwelt und Landschaften spezialisiert und er ist von berufs wegen Künstler. Er ist damit ziemlich erfolgreich in Nord Irland. Das Foto zeigt uns bei der Eröffnung seiner Ausstellung, die sich gerade in der Stand befindet.

Chris: Übrigens hat er auch das Cover zur ersten LP gestaltet.

Rory: Oh, stimmt! Eine gute Verbindung zu den Konzerten (lacht). Er wird heute übrigens auch dabei sein. Das Original-Artwork zur ersten LP hängt derzeit übrigens im Café meiner Schwester in Ballycastle aus. Da kommt es dann oft mal vor, dass sich ihre Kunden das Bild anschauen und sagen: “Das ist aber nicht…? Oh, doch, ist es!”

Rory ist bekannt dafür sich ständig neue Challenges zu setzen. Was ist die nächste große Herausforderung für ASIWYFA?

Niall: Wir haben auf jeden Fall noch einige herausfordernde Projekte, an denen wir derzeit arbeiten, über die wir aber noch nicht sprechen können.

Rory: Stimmt, wir haben einige kommende Releases, die noch gar nicht angekündigt sind. Die Herausforderung, die ich immer wieder sehe ist alles in Balance zu halten und ein erfülltes Leben zu führen. Irgendwie sollte immer alles seinen Grund haben. Die Herausforderung ist wohl auch sich immer neuen Herausforderungen zu stellen (lacht). Es ist immer schwer sich nicht zu wiederholen oder immer etwas von Bedeutung zu erschaffen. Manchmal kann es auch etwas ganz pragmatisches sein wie z.B “Können wir diesen neuen Song überhaupt spielen? Der ist echt schwer!” oder “Können wir in einer bestimmten Zeit (technisch) von Punkt A zu B kommen?” Die große Herausforderung ist, wie gesagt, aber immer etwas mit Bedeutung zu machen und nicht einfach den nächsten Gehaltscheck zu bekommen. Zudem muss das was man auf der Bühne verkörpert immer echt sein. Diese ganze Hingabe und Passion. Man sollte immer darauf achten, dass man es auch wirklich fühlt. Ansonsten ist es sinnlos.

Ich habe gesehen, dass ihr ein paar Deutschland Konzerte für Ende des Jahres angekündigt habt. Wollt ihr euren deutschen Fans noch irgendetwas mitgeben?

Niall: ICH LIEBE DICH! Wir können es kaum erwarten endlich wieder in Deutschland zu spielen!

Rory: Unsere Shows in Deutschland sind immer etwas ganz besonderes für uns. Außerhalb von UK ist es wohl das Land, in dem wir am meisten getourt sind. Wir freuen uns sehr darauf, bald wieder da zu sein!

Vielen Dank für das Interview und eure Zeit!

And So I Watch You From Afar feiern den zehnten Geburtstag ihrer ersten LP Ende des Jahres auch in Deutschland. Die Band kommt für zwei Konzerte nach Berlin und Köln. Nach dem beeindruckenden Erlebnis in Belfast steht fest: Das solltet ihr euch nicht entgehen lassen!

And So I Watch You From Afar, Deutschland Konzerte:

25.10.2019 – Berlin, Columbia Theater
27.10.2019 – Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld

Anmerkung zum Interview:

Das Interview dauerte insgesamt 41min und einige Fragen/Antworten haben es aufgrund der Länge leider nicht in den Artikel geschafft. Das komplette Interview wird aber demnächst auf www.tidephoto.com veröffentlicht.

Backstage Foto-Galerie: