Hat die Musikindustrie hat das Internet nicht verstanden? Oder macht das Internet die Musikindustrie kaputt?

Glaubt man dem Rolling Stone, dann hat die Musikindustrie das Internet nicht verstanden. Erst kürzlich hat das Magazin folgenden Dankeschön-Brief an die Musikindustrie verfasst:

(via 78s)

Ganz so einfach ist es vielleicht nicht. Fakt ist, dass der der Musikmarkt schrumpft, die Downloads das Geschäft mit den Tonträger nicht kompensieren und die Branchenriesen jammern.

Aber was spürt die Independent-Szene eigentlich von der Krise?
Spiegel Online hat für die Artikelreihe „So läuft das Musik-Geschäft“ unabhängige Musiker, Booker und Labelgründer, befragt. Zu Wort kommen neben Olli Schulz, Audiolith Records Chef Lars Lewerenz, Tapete Records Mitgründer Gunther Buskies, der Booker Arthur Schock und Fintunes Mitgründer Oke Göttlich:

Leseempfehlung.

  • Fakt ist, daß der „Musikmarkt“ (ich nenns lieber Musikindustrie) boomt wie noch nie. Nur der Teil dieser Industrie, dessen Geschäftsmodell im Kopieren von Daten besteht, der boomt natürlich nicht. Das Internet macht so ein Geschäftsmodell halt obsolet. Gut für die Gesellschaft, schlecht für die Kopierindustrie. Wenn Du diesem Unterschied nicht Rechnung trägst, hatte die Porpagandamaschinerie Erfolg….

    ciao, walter

  • Die Propagandamschinerie? Rein rechnerisch ist den Branchenriesen das Geschäft eingebrochen. Das ist wohl Fakt.
    In den SpOn Artikeln geht es jedoch nicht um die Konzerne, sondern um die Indie-Szene. Die kopiert auch, überlebt jedoch mehr schlecht als recht.

  • RT“@testspiel: bloggt: “So läuft das Musik-Geschäft http://www.testspiel.de/archives/2010/08/17/so-laeuft-das-musik-geschaeft/

  • RT @testspiel: “So läuft das Musik-Geschäft” http://bit.ly/92WXJq

  • Wenn ich mir ganz auf die Schnelle die Zahlen auf Wikipedia ansehe, dann ist da nichts, was ich als „Einbruch“ bezeichnen würde, Klar gibt es Rückgänge beim Geschäft mit physischen Tonträgern, aber dem stehen Umsatzsteigerungen bei Merchandising, Downloads, Lizeneinnahmen und „sonstigen Einnahmen“ entgegen. Überhaupt nicht erwähnt, wird eine massive Steigerung bei den Konzertveranstaltern. Das Geschäft hat sich verschoben, ich habe kein Mitleid (auch nicht mit den Indies), die diese Entwicklung verpennt haben, die die Digitaltechnik immer nur als Gefahr, nie als Chance begriffen haben.

    Aber abseits von den ganzen zig trillionenfach durchgekauten Argumenten gibt es da den einen ganz entscheidenden Punkt:
    Von welchem Grundniveau aus werden diese Umsatzrückgänge denn bewertet? Die Musikindustrie hatte seit Einführung der CD auch deswegen solche Riesenumsätze, weil sie vielen Menschen ihre Ware ein zweites Mal verkaufen konnte. Dabei hat sie uns massiv belogen, indem sie ihr Versprechen gebrochen hat, die gegenüber Vinyl deutlich geringeren Herstellungskosten irgendwann an die Konsumenten weiterzugeben. Im Gegenteil. Mit der Einführung der CD wurde schlagartig eine 50prozentige Preisteigerung etabliert und nie zurückgenommen. Die Musikindustrie der 90er Jahre war eine Blase, die jetzt platzt und das ist volkswirtschaftlich sinnvoll. Da kann die (vergleisweise mickrige) Musikindustrie heulen soviel sie will.

  • @marinelli: Hat sich Deiner Meinung nach das Verhalten der Konsumenten in den letzten 10 Jahren geändert?

  • Marc, das ist eine sehr interessante Frage.

    Nein: Über die Hälfte der Menschen tun das, was sie schon immer taten: Sie interessieren sich einen Scheiss für Musik, oder bekommen sie von musikaffinen Menschen vorselektiert frei Haus. Früher in Form von Cassetten, heute als mp3.

    Ja: die andere Hälfte kauft sehr viel weniger Tonträger als früher (gibt ja alles im Netz).

    und noch ein NEIN, weil die Menschen genau das tun, was sie schon immer taten. Sie maximieren ihren Gewinn und minimieren ihre Kosten, wo es geht. Sie verhalten sich ökonomisch rational. Sie nutzen die Möglichkeiten, die die Technik ihnen bietet. Ihnen das vorzuwerfen halte ich für ähnlich sinnvoll, wie die Toten der Loveparade für das Entstehen der Panik verantwortlich zu machen.