In einem sehr interessanten Artikel namens „Why Music Videos Are Still So Important“ stellt Sarah Boardman fest, dass Musikvideos eigentlich so wichtig sind, wie nie zuvor. Das größte Problem seit dem Rückzug von MTV ist allerdings, dass der Markt „unter-kuratiert und über-sättigt“ ist. Damit meint sie, dass es zu viele Musikvideos gibt und dadurch die richtig guten häufig übersehen werden. Damit das unseren lieben Lesern nicht passiert, wählen wir an dieser Stelle das beste Musikvideo aus. Und zwar wöchentlich.

Father John Misty – Things It Would Have Been Helpful To Know Before The Revolution (Regie: Chris Hopewell)

Worüber in diesem Jahr auf diesem Blog noch nicht ausreichend gesprochen wurde, ist das fabelhafte dritte Father John Misty Album. „Pure Comedy“ ist eine famose Zuspitzung der schwülstigen 70er-Rock-Tendenzen seines Vorgängers, gepaart mit Texten, die das Ende der Welt sehr fest in den Blick nehmen. Eine Fortsetzung dieses Themenkomplexes findet sich im Musikvideo zu Things It Would Have Been Helpful To Know Before The Revolution, das sich nach wirren Macauly Culkin Visionen an einer konventionelleren, zugleich aber stimmigeren Ausrichtung versucht.

Unter der Ägide Chris Hopewells, der zuletzt bereits für Radiohead und Run The Jewels hervorragende Arbeit leistete, streunt hier eine Knetfigur durch postapokalyptische Landschaften, die äußerst detailverliebt ausgestaltet sind und zwischen diffuser Bedrohung und absurdem Humor schwanken. In diesem Feld ist auch das Finale anzusiedeln, in dem sich der Protagonist in einer Smartphone-Kette eingliedert, die eine Werbebotschaft an unbekannt formt. Irgendwie kauzig, irgendwie putzig, und gerade daher mit einem juckenden Zynismus ausgestattet, der unweigerlich am Betrachter kleben bleibt.