Das Melt Festival war was besonderes. Schon auf der Fahrt zum Melt mit der Bahn nach Gräfenhainichen kam ich mir vor wie in Detlev Bucks “Wir können auch anders”. Auch die ersten Meter in den leeren Straßen Gräfenhaininchens änderten dies nicht. Doch spätestens mit der Bekanntschaft einer internationalen Gruppe bestehend auch von Israelis, Polen, Schweizern und Griechen, die allesamt unterwegs nach Ferropolis waren, wußte ich, dass das Melt anders als das Hurricane ist. Und so war es dann auch. Das Melt war im Verlgeich zum Hurricane internationaler besucht, günstiger, kleiner (rd. 13.000 Besucher), schlafloser, älter (keine Abi-Party), sauberer, elektronischer (ach nee), schöner (der See!) und vor allem atmosphärischer (die Bagger).

MELT!06

Für einige wiederkehrende Besucher schien das Melt’06 allerdings schon zu groß und hinterließ in punkto Ablauf und Organisation keinen positiven Eindruck. Als alter Hurricane-Besucher war ich zumindest sehr positiv überrascht. “Weniger Freizeitstress” würde der Smudo sagen. Wobei man sich bei der Vielzahl an guten Acts wirklich drei- bis vierteilen musste.

Fazit: Stimmt das Line-Up nächstes Jahr wieder und versuchen die Veranstalter keine neuen Besucherrekorde (sie sprechen schon davon) aufzustellen, dann bin ich bestimmt wieder dabei.

Noch wenige Worte zu den vielen guten Acts auf insgesamt vier Bühnen:

Aphex Twin
Hat meiner Meinung nach nichts auf der große Bühne verloren. Kann noch so breaken und krachen. Für die große Bühne ist das nichts, aber vermutlich fehlt mir nur der Zugang zu Ambient und Drum’n’Bass.

Deichkind
Haben um 5.00 Uhr die Bühne gerockt:

MELT!06

Peterlicht
Der akustischer und dezent vom Keyboard begleitete Auftritt von Peterlicht war sicherlich die eigenwilligste und untypischste Performance des ganzen Festivals.
Stefan vom toastbrot-Blog hat diesen Auftritt schön zusammengefasst:

Der komplette Gegenentwurf vom Abfeiern der eigenen Infantilität PeterLicht. Um es klar zu stellen: das ist nicht weniger als das wichtigste Konzert / Lesung / Bekenntnis des Jahres. So einfach ist das manchmal: Jemand mit Gitarre auf der Bühne und dem unbedingten Bedürfnis, etwas Dringendes sagen zu müssen. PeterLicht verteilt Textblätter mit der Aufforderung zum Mitsingen ans Publikum. “Wir sind jung und machen uns Sorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.” Fünf, zehn, fünfzehn Minuten: Am Ende brüllt PeterLicht, heiser neben sich stehend und mit sich überschlagender Stimme „Sorgen, Sorgen“ ins Mikrophon. Will damit das Konzert beenden, doch der Melt!Klub singt weiter, immer weiter, von der Möglichkeit getrieben, zwischen all den an diesem Wochenenden gebrüllten Animierrufen etwas Substanzielleres rufen zu können. Das Thema der eigenen Zukunft liegt irgendwie doch am Herzen. Ein Moment, der so nicht wieder kommen wird.

Viele werden es anders sehen, ich stimme ihm zu. War was besonderes.

Noch mehr MELT!:
Video – Deichkind @ MELT! 2006 – youtube.com
Review – Danke! – MELT! Blog
Intro
www.meltfestival.de
Review – Mehrere Leben führen – toasbrot Blog
Video – 2 Many DJs @ Melt! 2006 – youtube.com
Review – Melt! 2006 – thelastbeat.com
Bilder – flickr.com
Bilder – Tomez’s Melt 2006 Set – flickr.com