Nach meinem Trip zum Primavera Festival in Porto letzte Woche, weshalb der Beitrag für diese Rubrik leider entfallen musste, gibt es heute wieder einige Kurzreviews zu aktuellen Neuveröffentlichungen.

Kevin Morby – City Music

Erst letztes Jahr veröffentlichte Kevin Morby sein wunderbares Album “Singing Saw”, das vor allem durch melancholischen Folk geprägt war. Auf seinem neuen Album “City Music” legt er die akustische Gitarre zwar nicht komplett zur Seite, zeigt sich stilistisch jedoch wesentlich vielfältiger. “City Music” ist eine Sammlung von Erinnerungen, Beobachtungen und Erfahrungen, die Morby in amerikanischen Großstädten gesammelt hat und nun zu einer Art Konzeptalbum verwoben hat. Die Songs spiegeln die unterschiedlichen Stimmungen wider, die einem in der Stadt entgegenschlagen können, wie etwa in dem schaurig, schleichenden Opener “Come To Me Now”, dem hypnotischen “Downtown’s Lights” oder “1234”, der munteren Hommage an die Ramones. “City Music” ist, wie die Geschichten, die es erzählt, ein hörenswertes musikalischer Abenteuer.

Portugal. The Man – Woodstock

Keine Sorge, mit belangloser Hippie-Musik hat das neue Portugal.The Man Album “Woodstock” nichts zu tun, auch wenn direkt zum ersten Song Woodstock-Veteran Richie Havens zu Gast ist. Mit “Woodstock” sind PTM stattdessen vollends im Pop angekommen. Wenig erinnert an die 60s Garage Rock inspirierten Songs der letzten Alben, noch weniger an ihre noisige Anfangszeit. Dafür gibt es mit Autotune bearbeitete Stimmen, am Computer arrangierte Beats und breit ausgeschmückte Songs, bei denen lediglich der markante Gesang von Sänger John Gourley als vertrautes Element heraussticht. Auch wenn die Band den ein oder anderen alten Fan verlieren könnte, dürfte der neue Sound in der breiten Masse sicherlich sehr wohlwollend aufgenommen werden. Verdient haben sie es.

Mehr zu Portugal. The Man lest ihr in unserem kürzlich veröffentlichten Interview mit der Band.

Single Mothers – Our Pleasure

Single Mothers legen ihr zweites Album vor und während beim Debüt viele Kritiker noch von fehlender Bissigkeit der Kanadier sprachen, dürfte der Vorwurf bei “Our Pleasure” nun obsolet sein. Mit neuem Line-Up zeigt sich die Band aus Ontario mit ihrer wuchtigen Mischung aus treibendem Noise, Punk und Alternative angenehm kompromisslos. Frontmann Drew Thomson arbeitet sich mal mehr sprechend, mal mehr schreiend, mal mehr singend durch die Songs – immer mit einer anständigen Portion Wut in der Stimme. Passt so. Danke!