Hier kommen unsere Kurzreviews zu den aktuellen, musikalischen Neuveröffentlichungen.

The National – Sleep Well Beast

Vier Jahre nach “Trouble will find me” und diversen Nebenprojekten der Bandmitglieder veröffentlichen The National ihr neues Album “Sleep Well Beast” und spätestens, wenn bei “Nobody Else Will Be There” Matt Berningers markante Stimme einsetzt, setzt diese bekannte, wohlige Stimmung ein, die die New Yorker mit ihrer Musik über die letzten drei Alben aufgebaut haben. Neu und auffäliig ist vor allem der Einsatz von Gitarrensoli und elektronischen Elementen mit den The National ihren Sound um kleine Nuancen ergänzen. Damit schaffen The National eine guten Spagat zwischen Neuerung und Konstanz mit dem Fans der Band gut leben dürften.

Mount Kimbie – Love What Survives

Mount Kimbie habe ich das erste Mal 2011 als Vorband von Caribou gehört und gesehen. Damals war ich von dem Duo sofort sehr angetan. Vor ein paar Wochen zählte ihr Auftritt, mittlerweile mit Band, beim diesjährigen Dockville zu meinen Highlights des Festivals. Das Live-Setup spiegelt auch die musikalische Entwicklung der Briten wieder, die sich von elektronisch geprägten Post-Dubstep Club-Tracks ihres ersten Album “Crooks & Lovers” stärker in Richtung Songs an der Grenze zwischen Pop und Electronica verschoben hat. Der Umgang mit anlagogen Instrumenten steht Mount Kimbie sehr gut. Das Ergebnis sind wunderbar dichte Pop-Songs, denen durch Features von u.a. King Krule und James Blake noch das Sahnehäubchen aufgesetzt wird.

Cro – Tru

Mit “Tru” liegt Cro sein drittes Album vor und beim Hören wird schnell klar, dass bei der Produktion künstlerische Freiheiten vor komerziellen Interessen gestanden haben. Statt an seichtem Pop-Rap hat Cro in seiner Villa in den Hügeln von Stuttgart an ambitionierten, vielschichtigen Beats geschraubt. Am deutlichsten zeigt das “Computilove” mit einer einer Länge von gut 12 Minuten. Einerseits ist mit die Platte mit ihren 20 Songs ein wenig zu lang, anderseits hätte ich nie gedacht, dass mich ein Album von Cro noch mal so positiv überraschen könnte.

LIRR – God’s on our side; Welcome to the jungle

So heftig hat es im Grand Hotel Van Cleef lange nicht gekracht – rein musikalisch gesehen natürlich. LIRR jedoch als schlichte Post-Hardcore- oder Emo-Kapelle abzustempeln, wäre dabei deutlich zu einfach. Dafür binden jungen Nordlichter zu viele unterschiedliche Genres in ihren Sound ein und produzieren enorm vielschichtige Songs, in denen sich immer wieder andere Stilrichtungen wiederfinden. Mit “God’s on our side; Welcome to the jungle” legen die jungen Nordlichter nun ihr erstes Werk auf Albumlänge vor. Elemente von Soul, Hip-Hop und Trap finden sich dort genauso wieder wie Post-Rock, Indie und eben Screamo/Emo. Was klingt wie eine fiese Crossover-Renaissance aus den 90er Jahren, ist tatsächlich eine gelungene, hörenswerte Symbiose. Hut ab für diese junge Band!